Dienstag, 19. Juni 2012

Fotobooth getestet

Als Kinderunterhaltung haben wir geplant, in drei Wochen ein Fotobooth in einem internationalen Sommercamp aufzubauen.
Für alle, die sich noch nichts darunter vorstellen können:
Ein modernes Fotobooth - zu Deutsch Fotobox - ist angelehnt an die alten Passbildautomaten, die es zum Beispiel am Bahnhof gab. Man konnte dort Bilder von sich selber machen.
Heute baut man dazu einen Hintergrund und eine Kamera mit Blitzen auf. Es gibt aber keinen aktiven Fotografen. Der oder die Anwender lösen die Kamera per Fernauslöser selber aus. Meist werden die Bilder direkt auf einen PC o.ä. übertragen. Sie können dann direkt gedruckt oder per Beamer an die Wand geworfen werden.
Erste Tipps haben wir uns aus dem Internet und von Patrick Ludolph (Paddy von http://www.neunzehn72.de) geholt. Es ist aber erstaunlich wie lange man im Internet dazu suchen muss.

Das Equipment:
  • Ein mobiles Hintergrundträgersystem von Calumet. Es besteht aus zwei kräftigen Trägern im Stil von starken Blitzstativen und einer Querstange. Das gibt es auch von anderen Anbietern.
  • Ein blauer, strukturierter Stoffhintergrund mit 3m Breite. Diese Breite benötigt man schon. Papierrollen, wie sie in Studios eingesetzt werden,  sind uns hier zu unhandlich. Für deren Transport braucht man schon einen ganz schön großes Auto.
  • Zwei kleine Studioblitze. Wir haben dafür das Bowens Gemini 200/200 Studio Kit angeschafft. Es beinhaltet neben zwei 200Watt Blitzen auch einiges Zubehör und eine Transporttasche. Aufsteckblitze würden auch gehen. Allerdings wird eine sehr hohe und schnelle Blitzleistung abgefordert. Passende Systemblitze sind dann auch nicht billiger als die Studioleuchten. Und dann ist da noch das Problem mit den Batterien.
  • Im Set enthalten sind auch die passenden Blitzstative.
  • Außerdem gehören zwei Reflektorschirme dazu. Damit habe ich das Licht weicher gemacht. Große Softboxen wären für die Beleuchtung sicher besser. Das sprengte aber den fürs erste gesetzten Kostenrahmen.
  • Eine DSLR-Kamera ist natürlich Pflicht. Wichtig: Sie sollte einen Anschluss zur Fernauslösung besitzen. Der verbreitete IR-Auslöser ist nicht hilfreich. Man muss damit auf die Kamera zielen. Und damit wird die Bewegungsmöglichkeit schon eingeschränkt. Und sie muss "Tethered Schooting" unterstützen.
  • Dazu gehört ein stabiles(!) Stativ. Im Test habe ich einen Kugelkopf auf dem Stativ. Da die Kamera dicht an der Wand stand, war das Einstellen des Bildausschnitts damit nicht einfach. Ein Drei-Wege-Neiger ist da einfacher in der Bedienung. In Zukunft werde ich den benutzen.
  • Funkauslöser für Kamera und Blitz. Ich nutze die Yongnuo RF-603, da sie gleichzeitig als Kamera- und Blitzauslöser arbeiten können. (Weitere Details dazu unten)
  • Ein PC mit Software für Tethered Shooting. Ich habe Lightroom eingesetzt. Eine Ablage für den PC sollte man dabei haben. Es gibt extra Plattformen, die man am Stativ befestigen kann. Mein Wunschzettel ist jetzt etwas länger.
  • Ein sehr langes USB-Kabel. 3m können da schon etwas knapp sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auf Qualität achten sollte. Mit einigen Billigkabeln wird meine Kamera nicht erkannt.
  • Ein kleiner Beamer (optional)
  • Gaffa-Tape. Für alle Klebearbeiten. Da es "schwach haftend" ist, kann man es nachher Rückstandfrei wieder entfernen. Es hält trotzdem zuverlässig fest.
  • Eine Kabeltrommel mit 4-5 Steckdosen.
  • Ersatzakkus oder eine externe Stromversorgung für die Kamera. (siehe unten)
  • Ersatzbatterien/-akkus für die Funkauslöser
Der Aufbau ist recht einfach. Im Notfall bekommt man ihn auch alleine hin. Zu zweit ist es aber einfacher.

Zuerst kommt der Hintergrund dran. Der Stoff ist an der einen Kante so um genäht, dass man die Querstange durchschieben kann. Das ist dann die Oberkante. Die Querstange wird dann auf die Trägerstative gesetzt. Die Träger werden danach langsam angehoben. Wenn man alleine ist, schiebt man die beiden Seiten Stück für Stück nach oben.
Wenn der Hintergrund nach vorne ausgerollt werden soll, muss der Stoff auf alle Fälle mit Tape am Boden befestigt werden. Ansonsten entstehen sofort Wellen, die nicht nur den Bildeindruck stören. Ein Hängenbleiben und Umreißen des Hintergrundes ist fast vorprogrammiert.

Dann folgen die Blitze. Stativ aufstellen. Blitz aufsetzen. Lichtformer (Reflektor und Schirm) installieren. Funkauslöser und Stromversorgung anbauen. Fertig.
Ich nutze die klassische Zangenaufstellung. Ein Blitz links, ein Blitz rechts neben der Kamera. Der Abstand zum Hintergrund darf gerne 3m oder mehr betragen. Es wollen sich ja noch ein paar Leute dazwischen bewegen. Der Abstand zur Seite sollte breiter sein, als der Hintergrund. Das ist natürlich von der Umgebung abhängig. Aber man braucht für eine Fotobox doch etwas Raum.
Die Blitze habe ich auf einen Punkt circa 50cm vor der Rückwand ausgerichtet. Der Punkt lag genau in der Mitte. Als Höhe habe ich eine durchschnittliche Schulterhöhe genommen.
Liegen die Kabel der Blitze frei rum, müssen sie ebenfalls mit Gaffa-Tape festgeklebt werden. Das sollte man "flächig" machen und das Kabel nicht nur alle 20cm fixieren.

Die Kamera kommt mittig vor den Hintergrund auf das Stativ. Bevor sie eingestellt wird, sollten alle Kabel daran angeschlossen sein: (Fernauslöser und Kabel zum PC).
Die Kamera wird auf denselben Punkt ausgerichtet, wie die Blitze. Nachdem der Ausschnitt festgelegt ist, wird scharf gestellt. Da ich den Hintergrund voll ausnutzen wollte, musste ich mit einem ziemlichen Weitwinkel arbeiten: 24mm Brennweite an einer 1,5-Cropkamera.
Am besten stellt man jemanden in den Kreuzungspunkt für die Blitze und lässt die Kamera automatisch scharf stellen. Anschließend wird auf "Manuellen Focus" (MF) gewechselt. Die Objektiveinstellung bleibt jetzt fix. Sollten Zoom und Focus zum verrutschen neigen, helfen eventuell etwas kräftigere Gummibänder quer auf dem Objektiv.
Als Aufnahmemodus nutze ich "Manuell" (M). Da immer gleiche Lichtverhältnisse bestehen, fährt man damit am besten. Keine Automatik kann sich im falschen Augenblick verrechnen. Da die Leute sich vor der Kamera durchaus bewegen, brauchen wir eine hohe Schärfentiefe. Dafür sorgt die Blende 11. Als Zeit nutze ich etwas zwischen 1/100 und der Blitzsynchronzeit (meist 1/160). Die eigentliche Helligkeitseinstellung erfolgt dann an den Blitzen.
Anschließend wird der Weißabgleich noch auf Blitzlicht gestellt.
Und obwohl ich normalerweise mit RAW arbeite, habe ich diesmal als Format JPEG in hoher Auflösung gewählt. Dadurch werden die Bilder kleiner und somit schneller an den PC übertragen. Bei mir war das merklich schneller.

Jetzt kann man Blitze, Funkauslöser und Kamera anstellen und testen, ob alles funktioniert. Als Testobjekt kann man sich selber hinstellen. Der Fernauslöser sollte es regeln.
Jetzt ist auch der Zeitpunkt, die Helligkeit der Blitze einzustellen. Ich fange mit einer mittleren Einstellung an und regle dann nach.

Die Fernauslöser sind ein kritisches Thema. Wenn sie nicht arbeiten, funktioniert die ganze Idee nicht. Zwei Aufgaben sind zu bewältigen. Erstens ist die Kamera auszulösen. Und dann muss die Kamera die Blitze auslösen. Für beides gibt es eine Reihe von Lösungen. Aber Funk hat da schon ein paar Vorteile.
Nun kann man nicht einfach einen billigen Auslöser nehmen und damit Kamera und Blitz gleichzeitig auslösen. Der Blitz wäre schon abgebrannt, bevor die Kamera überhaupt auslöst. Tatsächlich muss in einem ersten Schritt die Kamera ausgelöst werden. Und dann mit etwas Verzögerung muss die Kameras die Blitze auslösen. Ein Ansatz wären zwei Gerätegruppen, die auf unterschiedlichen Frequenzen arbeiten. Dann brauchte man 2 Auslöser und 3 Empfänger.
Bei der Suche bin ich über die Yongnuo RF-603 gestolpert. Anders als sein kleinerer Bruder RF-602 kann dieser Auslöser beides gleichzeitig. Jedes Gerät kann sowohl Sender wie auch Empfänger sein. Man braucht also nur 4 Geräte: 1 Auslöser in der Hand, 1 Empfänger/Sender auf dem Gerät, dass einmal die Kamera auslöst und danach von der Kamera aus die Blitze triggert und 2 Empfänger an den Blitzen. Ich glaube, ich werde das in Kürze noch einmal beschreiben.

Wenn alles eingestellt ist, kommt noch der PC und der Beamer zum Einsatz.
Die Kamera wird per USB an den PC angeschlossen. Dort starte ich dann Lightroom und aktiviere darin Tethered Shooting. Damit werden die Bilder direkt auf den PC übertragen.
Dort habe ich den Bildschirm so eingestellt, dass immer da letzte Bild im Großformat zu sehen ist.
Das kann ich dann per Beamer an die Wand werfen. So habe alles gleich etwas zu sehen und zu lachen (hoffe ich). Auch dazu später mehr.

Jetzt braucht man nur noch Leute, die sich vor die Kamera stellen. Man drückt ihnen den Auslöser in die Hand und sie können loslegen.
Am Wochenende war der erste Test. Klappte ganz gut - auch wenn ein paar Kinder erst einmal warm werden mussten. Praktisch habe ich eine maximale Bildsequenz von einem Bild pro Sekunde erreicht. Die Ladezeit der Blitze ist hier der bestimmende Faktor.

Zum Schluss noch ein Tipp. Mir ist am Ende der Kameraakku verreckt. Wahrscheinlich war er schon von Anfang an nicht ganz voll. Und die über 600 Bilder der beiden Test-Shootings hat er dann nicht mehr verkraftet. Das ist natürlich eine dämliche Panne. Ich werde mir daher ein externes Netzteil für meine Kamera beschaffen. Meine Nikon D300 hat dafür einen Direktanschluss. Bei anderen Kameras gibt es passende Einschübe für das Akkufach. Und man darf auch die Batterien in den Auslösern nicht vergessen.

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