Donnerstag, 6. September 2012

Der Fluch des Wissens ...

... oder: Wissen verdirbt.

Als ich vor langer Zeit an IT-Fachbüchern mit schrieb, habe ich mich natürlich auch mit dem Handwerk des Schreibens auseinandergesetzt. Das Ergebnis war, dass ich z.B. keine Dan Brown Romane mehr lesen kann. Ich kenne einfach den Handlungsverlauf aus einem Lehrbuch. Das dämpft die Freude am Buch erheblich.
Jetzt stelle ich fest, dass es mir mit dem Fotografieren langsam ähnlich geht. Je mehr ich mich wieder mit den Details des aktuell möglichen befasse, desto empfindlicher werde ich. Bildergalerien zum Beispiel zu Sportveranstaltungen, über die ich mich früher gefreut hätte, nerven mich jetzt.
In meinem jüngsten Fall hatte der Fotograf einfach alle Bilder hineingestellt. Dabei sind auch unscharfe Bilder, Fehlschüsse und vor allem alle Dubletten mit eingestellt worden. Insgesamt senkt das natürlich die Qualität der Galerie als Ganzes. Auch wenn viele Bilder gut sind.
Und neben der dabei auftretenden Langeweile beschlich mich ein Gefühl der Lieblosigkeit. Und Lieblosigkeit stört mich. Früher hätte ich wohl gesagt: "Naja, das Sortieren ist ja auch richtig aufwendig. Das kann man bei kostenlosen Bildern nicht erwarten." Heute weiß ich es leider besser.
Die Gefahr ist, dass ich zu kritisch werde und anderen eventuell sogar Unrecht tue. Dan Brown ist ja nicht umsonst ein weltberühmter Autor. Mit meiner Meinung stelle ich mich für viele wahrscheinlich ins Abseits. Sie sind mit dem Gelieferten zufrieden.
Und es tut auch dem eigenen Ego nicht gut. Denn natürlich will ich besser sein. Damit muss ich meine eigenen Ansprüche erfüllen. Aber sind es auch die Ansprüche der anderen?
Und geht es nur mir so? Wenn ich mich im Internet umsehe, ist die Antwort wohl Nein. Immer wieder finde ich Menschen, die teilweise ganze Kreuzzüge für Qualität anzetteln. Das nicht nur in Foto- und Literaturforen.
Das schreckt mich wieder ab. Ich glaube ich muss in Kürze in mich gehen und wieder etwas mehr Demut lernen. Es geht doch nicht nur darum das perfekte Bild zu liefern. Es geht darum, das zu fotografieren, was anderen gefällt. Denn was ist ein Fotograf ohne Publikum?
Trotzdem darf ich natürlich ein bisschen besser sein.
P.S: Einen Trost gibt es allerdings. Auf der anderen Seite lernt man wirklich gute Bilder deutlich mehr zu schätzen. Genauso wie ich gelernt habe, wie gut die Bücher von Michael Crichton sind.

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