Mittwoch, 5. September 2012

Die Suche nach der Zielgruppe


Wir haben im letzten Jahr häufiger auf Sportveranstaltungen fotografiert. Schwerpunkt ist der Ausdauersport: Laufen, Schwimmen und vor allem Triathlon. Mittlerweile werden wir schon für nächstes Jahr angefragt. Die Qualität unserer Bilder scheint zu stimmen.

Da stellen wir uns dann doch die Frage: "Was ist das Ziel dieser Bilder?" Bei aktionsreichen Sportarten wie z.B. Fußball oder Judo ist das klar. Gesucht ist das Bild der spektakulären Szenen - die Protagonisten in voller Aktion. Daneben gibt es noch ein paar Gruppen- und Übersichtsbilder. Und alle sind zufrieden.

Im Ausdauersport sieht es anders aus. Schaue ich auf die kommerziellen Anbieter, so finden sich dort vor allem Erinnerungsfotos. Der Zieleinlauf und eine Reihe von Zwischenstationen auf der Strecke. Die Treppchenbilder für die Sieger.
Zielgruppe ist hier eindeutig der Sportler. Er soll sich an einen besonderen Tag erinnern.
Es muss sich lohnen. Sonst würden die kommerziellen Fotografen das nicht anbieten. Grund genug, sich über deren Gestaltung einmal Gedanken zu machen. Ich will dass jetzt nicht allzu lange ausweiten. Daher nur kurz:

Wichtig ist der Ort des Wettkampfs. Ein gutes Erinnerungsfoto bildet eine Verbindung dazu. Das Bild eines Läufers auf einer einsamen Straße ohne erkennbare Besonderheiten, wird diese Verbindung nur schwer knüpfen können. Als Läufer vor dem Campanile in Venedig ist die Erinnerung "Venedig-Marathon" sofort da (genauso wie vielleicht: "Sch... 13 Brücken am Ende").
Es lohnt sich also, den Platz für die Aufnahmen genau auszusuchen. Was ist besonders an dem Wettkampf. Woran werden die Athleten sich erinnern (lange Wechselzone, Schwanenboote als Wendetonne, die Allee am Ende der Laufstrecke?).
Achtung: Die Athleten müssen das natürlich gesehen haben. Ich fotografiere meist gegen die Laufrichtung. Also habe ich eine ganz andere Perspektive. Wenn ich dann etwas einfange, dass die Athleten nicht wahrnehmen, kann die Auswahl auch nach hinten losgehen (Wo war das denn?).

Aber interessiert mich das Erinnerungsbild als Sportler eigentlich wirklich? Wenn das nicht gerade mein erster Start ist, häufen sich die Finischermedaillen und Platzierungsurkunden. Bei uns in der Familie hängt eine ganze Gardinenstange voller Medaillen an der Wand. Und im Kleiderschrank habe wir alle einen großen Stapel T- und Funktionsshirts, die es im Ziel gab (heute nicht mehr so häufig). Das sind eine ganze Menge Erinnerungen.
Wobei sich die Erinnerung in meinem Kopf abspielt. Das Bild ein Trigger. Anschließend kommen Erinnerungen dazu, die das Bild nicht transportiert - nicht transportieren kann. Das Wetter, das Gefühl im Magen, die Schmerzen in den Muskeln - all das kommt aus der Erinnerung.
Meine Freunde und Bekannten werden über die Bilder aber so glücklich sein, wie über die letzten Urlaubsbilder. Sie haben die Erinnerungen um das Bild herum nicht.

Was also muss ich tun, um auch diese Zielgruppe zu erreichen.
Wir haben uns einmal hingestellt und im Triathlon andere Positionen ausprobiert. Gesucht war die Dynamik des Sports. Das Ergebnis sind z.B. Mitziehbilder beim Radfahren. Der Hintergrund ist nicht zu erkennen. Als Erinnerungsbild taugt das nur wenig. Aber die Athleten finden die Bilder Klasse, wenn ich die Reaktionen einmal zusammenfasse.
Dynamik kommt also an - auch bei den Veranstaltern. Denen müssen wir das zwar manchmal erst verkaufen. Aber zufrieden waren sie danach bisher wohl immer.
Das bedeutet aber auch, dass ich mich mit dem Sport beschäftigen muss. Wie fange ich die Dynamik des Laufens im Wettkampf ein? So ganz haben wir die Antwort auf diese spezielle Frage auch noch nicht gefunden. Aber wir werden uns bemühen. Im Triathlon ist das schon ganz gut gelungen.

Warum machen die kommerziellen Fotografen das dann nicht? Profis müssen Geld verdienen. Das können sie nur, wenn sie sichere Ergebnisse schnell und günstig produzieren. Mitziehbilder - als Beispiel - haben einen hohen Ausschuss. Eventuell gibt es von einzelnen Athleten gar kein Bild. Und die allein die Sortierung und Auswahl kostet viel Zeit. Als Fotografen, die auf Einnahmen aus der Aktion nicht angewiesen ist, haben wir natürlich viel weniger Zwänge zu berücksichtigen.

Wir werden in Zukunft versuchen einen Mix aus beidem zu liefern. Denn natürlich will sich erst einmal der Athlet selber erinnern. Und dann will er den Freunden, Bekannten, Verwandten zeigen, was für ein toller Wettkampf das war.

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